Pink October - das Brustzentrum, Inselspital Bern unterstützt den Brustkrebsmonat Oktober und unterstreicht damit sein Engagement und die Solidarität mit Betroffenen. In den nächsten Wochen werden hier regelmässig Beiträge und Interviews rund um Themen der Prävention, Früherkennung und Behandlung publiziert.

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Therapie bei Brustkrebs - Interview mit PD Dr. Claudia Rauh

Das Brustzentrum im PinkOctober - Beitrag vom 29. Oktober 2021

«Die enge Zusammenarbeit zwischen Expert:innen vieler Disziplinen und eine individuelle Begleitung der Patientin sind die Basis einer erfolgreichen Therapie.»

PD Dr. med. Claudia Rauh, leitende Ärztin Brustzentrum 

Für eine erfolgreiche Krebsbehandlung braucht es nicht nur eine Therapie auf höchstem medizinischem Niveau sondern auch eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzt:innen, Therapeut:innen und spezialisierten Fachkräften der Pflege. Entscheidend ist auch, dass die Patientinnen individuell, einfühlsam und umfassend beraten, betreut und begleitet werden. Wie das in der Praxis aussieht erklärt PD Dr. med. Claudia Rauh, leitende Ärztin Brustzentrum im Interview:  

Frau Dr. Rauh, Sie sprechen von interdisziplinärer Zusammenarbeit. Was genau ist damit gemeint?

Die Behandlung jeder Brustkrebspatientin wird von einem Team aus Ärztinnen und Ärzten der Gynäkologie, plastischen Chirurgie, Pathologie, Radiologie, Strahlentherapie, medizinische Onkologie festgelegt und begleitet. Die Ärztinnen und Ärzte arbeiten ausserdem in sehr engem Austausch mit den Breast & Cancer Care Nurses und Psychoonkologinnen oder Expertinnen der Physiotherapie oder Ernährungsberatung. Ganz wichtig ist, dass auch die Patientin und Angehörige in Entscheidungsprozesse einbezogen werden, Hintergründe nachvollziehen und schlussendlich Entscheidungen treffen können.

Wie wird das am Brustzentrum am Inselspital Bern in der Praxis umgesetzt? 

Die Tumorkonferenz des Brustzentrums, auch Tumorboard genannt, ist der Kern der interdisziplinären Zusammenarbeit und der grosse Vorteil eines zertifizierten Zentrums. An der wöchentlichen Konferenz wird von jeder Patientin mit Diagnose Brustkrebs die Krankengeschichte vor und nach der Behandlung vorgestellt. An der Konferenz wird für jede Patientin eine individuelle Therapie-Empfehlung erarbeitet.

Wie gross sind denn die Chancen, dass eine Therapie erfolgreich verläuft und die Patientin wieder gesund wird?

Die Chancen gesund zu werden sind bei Brustkrebs sehr hoch und in den letzten Jahren konnten grosse Fortschritte in der Behandlung erzielt werden. Die operative Therapie wird immer schonender, z.B. wird deutlich weniger aggressiv im Bereich der Lymphknoten in der Achselhöhle operiert und auch die Systemtherapie wird immer gezielter auf den speziellen Tumortyp und individuell auf die jeweilige Patientin angewendet. 

Was beeinflusst die Chancen auf Therapieerfolg?

Wie gut ein Tumor behandelt werden kann, hängt von vielen Faktoren ab. Wegweisend ist der sogenannte Tumortyp, d.h. handelt es sich um einen langsam wachsenden hormonempfindlichen Tumor oder um einen schnellwachsenden, aggressiven Tumor, welcher häufiger eine Chemotherapie notwendig machen. Aber auch individuelle Eigenschaften der Frau spielen eine grosse Rolle, wie z.B. Alter, weitere Erkrankungen und ganz wichtig der Wunsch der Patientin/Patienten. 

In jedem Fall ist aber entscheidend, in welchem Stadium der Krebserkrankung mit der Therapie begonnen wird. Das heisst, je früher Brustkrebs erkannt wird, desto besser sind die Behandlungschancen. Deshalb ist es wichtig, dass Frauen aufmerksam sind, Veränderungen ihrer Brüste rechtzeitig erkennen und sich dann an einen Arzt oder Ärztin wenden, damit die Ursache abgeklärt werden kann. 

Weiterführende Information: Film «Knoten in der Brust. Wie geht es weiter?»

Brustkrebs - helfen Sport und eine gesunde Ernährung?

Das Brustzentrum im PinkOctober - Beitrag vom 24. Oktober 2021

«Körperliche Aktivität und eine gesunde Ernährung unterstützen den Körper im Umgang mit der Erkrankung und steigern die Lebensqualität. »

Dr. med. Barbara Zeyen, Psychoonkologin Brustzentrum

 

 

Es gibt immer mehr wissenschaftliche Studien, die einen positiven Effekt von Bewegung und Ernährung aufzeigen. Dr. med. Barbara Zeyen, Spitalfachärztin und Psychoonkologin am Brustzentrum und Therese Hischier, Ernährungsberaterin der Frauenklinik sprechen im Interview über Hintergründe, Herausforderungen und Möglichkeiten. 

Frau Dr. Zeyen, welche Nebenwirkungen können durch Sport reduziert werden? 

Eine häufige Nebenwirkung der medikamentösen Therapien ist die Müdigkeit, die in diesem Zusammenhang auch Fatigue genannt wird. Körperliche Aktivität und Ausdauersport können das Wohlbefinden günstig beeinflussen und die Müdigkeit reduzieren. 

Die antihormonellen Therapien bei einer Krebsbehandlung führen ausserdem oft zu Gelenk- und Muskelbeschwerden. Hier können Sportarten wie Yoga oder Pilates lindernd wirken. Zudem hat Sport meistens auch einen positiven Einfluss auf das seelische Befinden. 

In jüngster Zeit konnte zudem in Studien gezeigt werden, dass Sport nicht nur die Lebensqualität verbessert, sondern auch einen günstigen Einfluss auf die Prognose gewisser Brustkrebsarten hat.

Was heisst «ausreichende körperliche Aktivität», welche Sportarten sind empfohlen? 

Erfahrungswerte zeigen, dass ca 150 Minuten eines mittelintensiven Ausdauertrainings und zwei Einheiten Kraft- und Koordinationstraining pro Woche ideal sind. Es erscheint mir jedoch wichtiger sich überhaupt zu bewegen und Spass dabei zu haben, als formale Vorgaben zu erfüllen. 

Was bietet das Brustzentrum? 

Zusammen mit dem Institut für Physiotherapie, der Sportkardiologie und der medizinischen Onkologie bieten wir die Onko Reha an. Dies ist ein Sport Rehabilitationsprogramm, das nach Abschluss der Behandlung durchgeführt wird. Unter anderem umfasst es Ausdauer- und Krafttraining sowie Gymnastik zur Förderung von Koordination und Beweglichkeit. Ergänzt wird das Bewegungsprogramm mit Ernährungsberatung, Stressmanagement, bei Bedarf Rauchstopp und Schmerztherapie. 

Weiter haben Patientinnen zum Beispiel die Möglichkeit an der Caprice Studie teilzunehmen. Die Studie untersucht, ob eine begleitete Bewegungstherapie bereits während der Chemotherapie die Nebenwirkungen auf das Herz reduzieren kann. 

Wie schwer fällt es den Patientinnen sich für körperliche Aktivitäten zu motivieren? 

Selbstverständlich ist es sehr schwierig sich zum Beispiel während der Chemotherapie zu Bewegung zu motivieren, aber ein kurzer Spaziergang geht fast immer. Für Patientinnen, die vor der Erkrankung nicht regelmässig Sport getrieben haben ist das Onko Reha Programm nach Abschluss der Therapie ideal. 

Grundsätzlich ist es vor allem wichtig, dass die Patientin die Sportart findet (oder wieder aufnimmt), die sie gut in ihren Alltag integrieren kann, die Spass macht und die ihr guttut.  

 

«Wir wollen die Patientinnen dabei unterstützen, körpereigene Kräfte zu mobilisieren. Ernährung und körperliche Aktivität spielen dabei eine wichtige Rolle.»

Therese Hischer, Dipl. Ernährungsberaterin Frauenklinik Bern

 

Frau Hischier, welche Rolle spielt die Ernährung bei einer Brustkrebserkrankung?

Eine sehr wichtige. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung versorgt den Körper mit Energie, Eiweiss und wichtigen Nährstoffen. So wird der Körper gestärkt, um Krankheit, Therapie und Nebenwirkungen durchzustehen. Gleichzeitig leiden aber sehr viele Patientinnen an Appetitlosigkeit, Geschmacksveränderungen und Übelkeit. Das wiederum kann zu Gewichtsverlust und Mangelernährung führen. 

Wie können Sie als Ernährungsberaterin die Patientinnen unterstützen?

Wir vermitteln gezielt Ernährungsinformationen und geben basierend auf der medizinischen Situation und dem Ernährungszustand der Patientin Empfehlungen ab. Gemeinsam mit der Patientin bestimmen wir die individuellen Bedürfnisse und erarbeiten mit ihr, manchmal auch zusammen mit ihren Angehörigen, persönliche Lösungen für die Umsetzung zu Hause. 

Weitere Informationen zur Ernährungsberatung an der Frauenklinik. 

 

Genetische Veranlagung für Brust- und Eierstockkrebs - Interview mit Dr. med. Laura Knabben

Das Brustzentrum im PinkOctober - Beitrag vom 22. Oktober 2021

«Bei einer familiären Vorbelastung können eine einfühlsame Beratung und der Austausch mit anderen grosse Entlastung bringen.»

Dr. med. Laura Knabben, Oberärztin Brustzentrum

 

 

Was genau versteht man unter familiär bedingtem Brustkrebs? 

Wir wissen heute, dass circa 10% der Fälle von Brustkrebs familiär bedingt sind. Hier liegen in einer Familie genetische Veränderungen vor, die zu gestörten Reparaturmechanismen bei der Zellteilung führen und damit das Risiko einer Krebserkrankung stark erhöhen. Am häufigsten ist dabei das so genannte BRCA1- oder BRCA2-Gen betroffen. Diese Veränderungen lassen sich mit einem Gentest nachweisen. Gesunde Frauen haben die Möglichkeit vorbeugende Massnahmen zu ergreifen, für bereits Erkrankte eröffnen sich zusätzliche Therapiemöglichkeiten.  

Sollten Frauen, deren Mutter oder sonst nahe Verwandte an Brustkrebs erkrankten, immer einen Gentest machen?

Ein Gentest ist nicht für alle empfohlen. Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung der Frau. Wenn in einer Familie Brustkrebsfälle aufgetreten sind, heisst das nicht zwangsläufig, dass es sich um eine vererbbare Form handelt. Wenn es eine vererbbare Form ist, heisst das wiederum nicht, dass die Frau die Genveränderung auch wirklich geerbt hat. Es gibt Einschlusskriterien die bestimmen, ob ein Gentest sinnvoll ist (zu den Einschlusskriterien).

Wichtig zu wissen ist auch, dass Frauen, die das veränderte Gen geerbt haben, nicht zwangsläufig an Brustkrebs erkranken. 

Was gibt es für Behandlungsmöglichkeiten für Frauen, die Trägerinnen der Genveränderung sind?

Beim Nachweis einer Mutation in einem Hochrisikogen bei gesunden Frauen gibt es die Möglichkeit der intensivierten Früherkennung. Hier kommen verschiedene bildgebende Verfahren, z.B. Ultraschall, Mammographie und MRI zum Einsatz. Alternativ kann das Erkrankungsrisiko durch eine vorbeugende Operation massiv gesenkt werden. 

Für Frauen, die bereits an Brustkrebs erkrankt sind und Trägerin einer Genveränderung sind, kann die Prognose durch neuere zielgerichtete Medikamente wie die so genannten PARP Inhibitoren, die sich gezielt den gestörten Zellreparaturmechanismus zunutze machen, wesentlich verbessert werden. 

Was bietet das Brustzentrum des Inselspitals Bern für Frauen mit familiär bedingtem Brustkrebs? 

Da es sich häufig um komplexe Situationen handelt bieten wir eine umfassende individuelle Betreuung an. In einem ausführlichen Beratungsgespräch wird zunächst die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Genveränderung ermittelt und mögliche Konsequenzen eines Gentests besprochen. Aber auch nach der Diagnose betreuen wir Betroffene engmaschig in unserer senologischen Risikosprechstunde: beraten bezüglich prophylaktischen Operationen, Familienplanung, Lifestyle und bieten nicht zuletzt auch psychologische Unterstützung an. Unser BRCA Gesprächskreis gibt betroffenen Frauen die Möglichkeit sich untereinander auszutauschen. 

Breast and Cancer Care Nurses - Individuelle und umfassende Unterstützung

Das Brustzentrum im PinkOctober - Beitrag vom 13. Oktober 2021

«Viele Betroffene fühlen sich, als stünden sie vor einem grossen Berg. Wir begleiten sie, räumen Steine aus dem Weg und unterstützen sie dabei, Ziele zu erreichen.»

Monika Biedermann, Breast Cancer Care Nurse

 

 

Als spezialisierte Pflegefachpersonen begleiten Breast Cancer Care Nurses (BCN) Patientinnen auf ihrem Weg und im Umgang mit der Erkrankung. Monika Biedermann, BCN Brusztentrum, Inselspital Bern war 2004 eine Pionierin in dieser Funktion und ist heute Präsidentin des Schweizer BCN-Verbandes. In der Sendung «Gesundheit heute» erzählt Monika Biedermann von ihrer Arbeit:

SRF1, gesundheitheute, 12. Dezember 2020: Frauen mit Brustkrebs

Deshalb ist Solidarität so wichtig - Erfahrungen einer Patientin

Das Brustzentrum im PinkOctober - Beitrag vom 8. Oktober 2021

«Die Brustkrebs Diagnose traf mich aus heiterem Himmel. Die umfassende Unterstützung sowohl von Fachpersonen aber auch von Freunden und Familie haben mir Kraft gegeben.»

Judith Safford, engagierte Geschäftsfrau, begeisterte Bergsteigerin und ehemalige Brustkrebspatientin

Plötzlich ist alles anders... Die Diagnose Brustkrebs kann das Leben von Patientinnen und seltener auch Patienten auf den Kopf stellen. Wie fühlt es sich wirklich an, wenn sich jemand in dieser Situation befindet? Was bedeutet die Diagnose für Angehörige und Freunde? Und inwiefern können Solidarität, Liebe und Mitgefühl den Leidensweg erheblich verbessern? 

Judith Safford, engagierte Geschäftsfrau, begeisterte Bergsteigerin und ehemalige Brustkrebspatientin, teilt ihre wertvolle Erfahrung. 

Frau Safford, Sie erhielten die Diagnose Brustkrebs im Jahr 2019. Wie war dieser Moment für Sie und welche Gefühle hat sie in Ihnen ausgelöst?

Judith Safford: Ich bat darum, die Diagnose nicht per Brief, sondern telefonisch zu erhalten. Der Anruf kam am frühen Abend. Als mein Telefon klingelte, war ich in einem Park in Bern, wo ich meine Tochter zu einem Picknick getroffen hatte. Nach der Begrüssung sagte mir die Ärztin, wer sie sei. Dann führte sie das Gespräch mit «Leider...» fort. Dieses Wort war alles, was ich wirklich aufnehmen konnte und es war mir klar, was es bedeutete. Ich verfiel in einen Schockzustand, der sich wie ein Überlebensmodus anfühlte. Dabei war es schwierig, Einzelheiten zu verstehen, darauf zu reagieren oder mir zu merken, wie und wann die Behandlung ablaufen würde. Ich weiss nicht mehr, wie der Anruf endete, aber ich fragte mich anschliessend, was ich meiner Tochter sagen würde und ob wir noch einen schönen Abend miteinander verbringen könnten. 

Wir sprechen von Solidarität. Welche Gesten oder Handlungen vom medizinischen Personal oder aus Ihrem Umfeld haben Ihnen besonders gutgetan?  

Judith Safford: Ich nehme Medikamente gegen eine andere Erkrankung ein. Die Empfehlung lautete, diese Behandlung nach einer Krebsdiagnose abzubrechen. Daraus ergab sich für mich ein grosses Dilemma. Eine Ärztin nahm sich Zeit, um sich über das Thema zu informieren und unterstützte mich mit Informationen und Ratschlägen. Das war so hilfreich – von unschätzbarem Wert für mich. Zudem nahmen sich viele Freundinnen und Freunde Zeit für mich, schenkten mir etwas oder unterstützten mich anderweitig. Das ist sehr wichtig in der Zeit vor der Operation, aber auch während und in den Monaten nach der Behandlung. 

Oft sind Menschen mit schwierigen und traurigen Themen überfordert. Was würden Sie diesen Menschen raten zu tun oder zu lassen, wenn sie mit einer an Brustkrebs erkrankten Person konfrontiert werden? 

Judith Safford: Ich verstehe, dass einige Leute nicht wissen, wie sie reagieren sollen. Und es gab bei mir in der Tat einige Verlegenheits-Reaktionen, wie zum Beispiel: «Oh, meine Mutter ist daran gestorben!» oder: «Oh je, du bist eine Arme!» Ich fand beides nicht sehr hilfreich. Überraschend viele Frauen erzählten mir, dass sie selber einige Zeit zuvor an Brustkrebs erkrankt waren, aber jetzt alles wieder gut sei. So wurde mir klar, dass Brustkrebs recht häufig vorkommt. Es ist aber ein Tabuthema, über das Frauen nicht proaktiv sprechen. In dem Dorf, in dem ich lebe, haben mich einige Leute scheinbar gemieden. Sicher lag es nur daran, dass sie nicht wussten, was sie sagen sollten, und nicht daran, dass es ihnen egal war. Vielleicht hatten sie persönliche Erfahrungen gemacht, die ihre Reaktion beeinflussten. Im Allgemeinen würde ich sagen, dass ich mich durch das Schweigen mit meiner Diagnose allein gelassen fühlte. Erst wenn Menschen ihr Mitgefühl ausdrückten, mich aber fragten, ob ich überhaupt darüber sprechen wolle oder nicht, fühlte ich Solidarität. Die Freiheit zu haben, mich selber zu entscheiden, war sehr hilfreich. Ich glaube, dass das Stärkste im Gesundheitswesen Liebe und Mitgefühl ist, und das kann jede und jeder geben. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, das zu tun, auch wenn es nur ein Telefonanruf oder eine Karte ist. 

Angehörige leiden mit, fühlen sich ohnmächtig und werden von der Aussenwelt manchmal vergessen. Wie ist Ihr Umfeld mit Ihrer Erkrankung umgegangen? Haben Sie Tipps, die bei der Bewältigung dieser schwierigen Situation, in der beide Parteien leiden, geholfen haben?

Judith Safford: Meine Familie hat mich sehr unterstützt. Alle waren optimistisch, dass es gut ausgehen würde. In meinem Fall war es auch so. Aber natürlich gibt es auch andere Verläufe und ich glaube, dass die Gesellschaft und das Gesundheitssystem besser erkennen müssen, dass nahestehende Personen aus den von Ihnen genannten Gründen möglicherweise ebenso viel Unterstützung brauchen wie Patientinnen und Patienten. Wenn dies erkannt wird, dann wird es in Zukunft auch für nahe Angehörige leichter sein, Hilfe zu bekommen. 

Der Oktober steht im Zeichen des Brustkrebses. Gibt es etwas, das Sie anderen Brustkrebspatientinnen mit auf den Weg geben möchten?

Judith Safford: Wahrscheinlich hat jede Patientin und jeder Patient Fragen. Ich möchte sie ermutigen, diese zu stellen um die Antworten zu erhalten, die sie brauchen. Nutzen Sie die Dienstleistungen, die Brustkrebspatientinnen und -patienten zur Verfügung stehen. Damit meine ich neben der Unterstützung zur Behandlung, psychosoziale und andere Themen. Viele Spitäler, aber auch Patientenverbände, bieten ein sehr gutes Angebot. Das Wichtigste: Nehmen Sie zu den Konsultationen jemanden mit, der Sie dabei unterstützt, die Diagnose und Behandlung zu verstehen und offene Fragen zu stellen. Diese Person kann die Antworten für Sie notieren, denn wahrscheinlich werden Sie die Informationen selbst nicht aufnehmen können. Ich dachte zuerst, ich käme allein zurecht, aber ich war zu traumatisiert, um das Meiste, was mir gesagt wurde, zu verstehen. Darum war ich sehr froh, dass meine Freundin mithören und alles aufschreiben konnte! 

Ein herzliches Dankeschön für die Zeit und Ihre offenen Worte, Frau Safford. Wir wünschen Ihnen auf Ihrem weiteren Weg alles Gute.

Links zu unterstützenden Begleitangeboten des UCI Brustzentrums für Patientinnen, Patienten und Angehörige: 

Früherkennung und Prävention

Das Brustzentrum im PinkOctober - Beitrag vom 3. Oktober 2021

«Der beste Schutz ist eine frühe Erkennung! Lassen Sie uns gemeinsam gegen Brustkrebs kämpfen.
Wir sind für Sie da!»

 

 

 

Das Risiko einer Frau, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken, liegt bei fast 13 Prozent. Noch immer ist diese Erkrankung die häufigste Todesursache bei Frauen im Alter von 50 bis 70 Jahren. 

Wichtig zu wissen: Brustkrebs der frühzeitig erkannt wird, hat sehr gute Aussicht auf eine erfolgreiche Behandlung. Früherkennung lohnt sich. Sorgen Sie sich nicht, aber tragen Sie sich Sorge. Wir nennen Ihnen vier Tipps, die bei der Brustkrebsfrüherkennung und -vorsorge hilfreich sind:

1. Risikofaktoren

Das Einschätzen der eigenen Risikofaktoren ist für die Früherkennung hilfreich. Besprechen Sie diese mit Ihrem Hausarzt und Frauenarzt. So können regelmässige Routine-Untersuchungen optimal auf Sie abgestimmt werden. Folgende Risikofaktoren spielen eine Rolle: 

  • Geschlecht und Alter
    Frauen haben ein viel höheres Risiko an Brustkrebs zu erkranken als Männer. In der Schweiz erkranken jährlich ca. 6 200 Frauen und 50 Männer. 75% der Frauen sind bei der Diagnose über 50 Jahre alt.
  • Erbliche Vorbelastung
    Befinden sich in Ihrer Familie (Grossmutter, Mutter, Schwester, Tochter) Brustkrebspatientinnen? Falls ja, informieren Sie Ihren Frauenarzt/Ihre Frauenärztin darüber. Am Inselspital beraten wir Sie gerne, ob eine genetische Abklärung (Gentest) sinnvoll ist und welche individuelle Früherkennung geeignet erscheint.
  • Nikotin und Alkohol
    Der Verzicht auf Alkohol und Nikotin vermindern das Brustkrebsrisiko. Es ist ratsam den Konsum zu minimieren oder besser noch komplett einzustellen (insbesondere bei Nikotin). 

2. Selbstabtastung

Kontrollieren Sie Ihre Brust regelmässig auf Veränderungen. Bemerken Sie einen Knoten, Einziehung, blutige Sekretion? Haben Sie Schmerzen? Konsultieren Sie bei Unsicherheiten oder Veränderungen auf jeden Fall Ihren Frauenarzt/Ihre Frauenärztin oder vereinbaren Sie einen Termin in unserer Brustsprechstunde

Wichtig: Die Selbstabtastung ersetzt nicht die Teilnahme an einem kantonalen Mammografie-Screening-Programm über das qualitätskontrollierte donna-Programm. Diese empfiehlt sich für Frauen ab 50 Jahren.


3. Der abklärungsbedürftige Befund

Besteht ein Verdacht auf Brustkrebs oder Symptome in Form von Schmerzen oder Sekretion, bieten sich zur weiterführenden Abklärung folgende Untersuchungsmöglichkeiten an:

  • Mammographie
    Zur Diagnostik wird unteranderem die Mammographie eingesetzt. Die Untersuchung mittels Röntgenstrahlen dauert nur wenige Sekunden und findet im Stehen/Sitzen statt. Dabei wird die Brust zusammengedrückt, was entgegen vieler Befürchtungen keine Schmerzen, sondern eher einen etwas ungewohnten Druck verursachen kann.
  • Ultraschall
    Ergänzend wird bei einer erkannten Veränderung der Brust, eine Untersuchung mittels Handultraschall durchgeführt und gegebenfalls eine Probe entnommen.
  • Invenia ABUS (automated breast ultrasound)
    Zusätzlich haben wir die Möglichkeit einen automatisierten 3D- Ultraschall durchzuführen.

4. Vorbeugen mit Bewegung und gesunder Ernährung

Der letzte Punkt der Vorsorge möchten wir dem Thema Bewegung und Ernährung widmen. Wie fast überall, haben die beiden Themen einen grossen Einfluss auf die allgemeine Gesundheit, auch die Ihrer Brust. Schliesslich ist es auch unser Wunsch, dass Sie gar nicht erst an Brustkrebs erkranken.