Sexuelle Gewalt gegen Frauen

Haben Sie einen sexuellen Übergriff erlebt? Wurden Sie vergewaltigt? Sind Sie verletzt? Haben Sie Angst, jetzt schwanger zu sein oder sich mit dem HI-Virus oder einer Krankheit angesteckt zu haben?

Bei uns erhalten Sie rund um die Uhr Hilfe und medizinische Betreuung.

Tel. +41 31 632 12 60 (8–12 Uhr und 13–17 Uhr)

Tel. +41 31 632 10 10 (im Notfall ausserhalb der Bürozeiten)

Kontaktieren Sie uns

  • auch wenn Sie noch nicht wissen, ob Sie eine Anzeige erstatten wollen, sollten Sie sich möglichst rasch melden, am besten innerhalb von 72 Stunden nach der Tat. Damit können wir notwendige Behandlungen im Bereich Schwangerschaft und sexuell übertragbare Infektionen rechtzeitig einleiten.
  • auch wenn Sie keine Erinnerung an die Tat haben (zum Beispiel nach Einnahme sogenannter K.o.-Tropfen)
  • auch wenn Sie wiederholt, z. B. in einer Partnerschaft, sexuelle Gewalt erlebt haben. Abklärungen und Spurensicherungen sowie Behandlungen und auch Betreuung nicht-medizinischer Art sind dann möglich und stehen Ihnen offen

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Tel. +41 31 632 10 10 (im Notfall ausserhalb der Bürozeiten)

Nach welchen Grundsätzen arbeiten wir?

Wir arbeiten nach den Richtlinien des Berner Modells. Diesem Modell liegen folgende Prinzipien zu Grunde:

Betreuung von Frauen durch eine Frau
Auf der Ebene der Polizei, bei der gynäkologischen Untersuchung sowie der psychosozialen Beratung ist die Betreuung durch eine Frau gewährleistet – auch nachts.

Spurensicherung ohne Meldepflicht bei der Polizei
Sexualdelikte wie sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung sind in der Schweiz Offizialdelikte, was heisst, dass eine Strafverfolgung einsetzt, sobald die Behörden von einer Straftat Kenntnis erhalten. Ein polizeiliches und gerichtliches Verfahren kann für eine betroffene Frau eine grosse Belastung bedeuten und daher unter Umständen gegen ihr Interesse sein.

Das Berner Modell ermöglicht es, dass eine Spurensicherung durch das Institut für Rechtsmedizin durchgeführt werden kann, ohne dass automatisch eine Meldung an die Polizei erfolgt. Eine betroffene Frau kann sich daher nach erfolgter Untersuchung in Ruhe eine Anzeigeerstattung überlegen und sich beraten lassen, ohne dabei etwas zu verpassen.

Die Spuren werden gesichert, aber nicht ausgewertet. Nur die medizinischen Analysen und Abklärungen werden durchgeführt, wenn eine Konsultation ohne Anzeige erfolgt.

Interdisziplinäre Vernetzung
Polizei, Gynäkologie, Infektiologie, Rechtsmedizin und die Fachstellen der Opferhilfe bei sexueller Gewalt arbeiten Hand in Hand um eine möglichst optimale Betreuung der betroffenen Frau zu gewährleisten. Generell gilt der Grundsatz: so viele Fachpersonen wie nötig, so wenige wie möglich.

Das Berner Modell ist ein Angebot für Frauen und Mädchen ab 14 Jahren. Für Kinder, männliche Jugendliche und Männer gibt es andere Angebote im Kanton Bern.

Anlaufstellen

Frauenklinik
In der Frauenklinik wird eine Frau auf Wunsch auf Verletzungen, sexuell übertragbare Infektionen und Spuren des Täters untersucht. Für die Spurensicherung wird eine Ärztin oder ein Arzt des Institutes für Rechtsmedizin beigezogen. Es ist wichtig, dass sich eine Frau möglichst rasch, d. h. idealerweise in den ersten 72 Stunden nach der erlebten Gewalt, untersuchen lässt. Die Frau kann eine Notfallverhütung erhalten und Medikamente, die das Risiko einer Übertragung von HIV oder Hepatitis verringern. Die Ärztin informiert die Frau über weitere Hilfs- und Beratungsangebote sowie über die Möglichkeit und Bedeutung einer Anzeige bei der Polizei. Ist eine Krisenintervention angezeigt, leitet die Ärztin die erforderlichen Massnahmen ein.

Opferberatungsstelle
Im Kanton Bern sind die Opferberatungsstellen Biel, Lantana in Bern und Vista in Thun auf die Beratung von Frauen und Mädchen nach sexueller Gewalt spezialisiert. Diese Fachstellen bieten psychologische Beratung, informieren die Betroffene über ihre Möglichkeiten, über das Strafverfahren und über Vor- und Nachteile einer Anzeige und beraten und begleiten sie in ihrem weiteren Vorgehen. Die Opferberatungsstellen haben auch die Möglichkeit, im Rahmen des Opferhilfegesetzes finanzielle Hilfe zu leisten.

Polizei
Bei der Polizei kann die Frau von einer spezifisch ausgebildeten Kriminalbeamtin betreut werden. Diese erklärt ihr das weitere Vorgehen, informiert sie über die Opferberatungsstellen, nimmt ihre Anzeige entgegen und organisiert die medizinische Betreuung und Spurensicherung in der Frauenklinik. Mit der Involvierung der Polizei beginnt ein Strafverfahren, das durch die betroffene Frau nicht mehr abgebrochen werden kann.

Was tun nach sexueller Gewalt, Vergewaltigung oder möglicher Vergewaltigung?

Sie sollten zwischen dem Vorfall und der Untersuchung wenn möglich

  • nicht duschen oder baden und die Hände nicht waschen
  • die Kleidung nicht wechseln oder die getragenen Kleider aufheben, aber nicht waschen
  • die Slipeinlagen aufheben
  • vor der Untersuchung nicht auf die Toilette gehen

So können Spuren des Täters am besten festgestellt werden.

Wie geht es dann weiter?

Sie werden – sofern Sie dies möchten – von einer Ärztin befragt und untersucht. Wir untersuchen Sie auf sexuell übertragbare Krankheiten sowie Verletzungen. Falls es notwendig ist, geben wir Ihnen Medikamente, die Sie vor einer Infektionsübertragung, zum Beispiel von HIV/Aids schützen können. Sie können eine Notfallverhütung («Pille danach») bekommen. Wenn nötig, werden Impfungen aufgefrischt oder antibiotische Behandlungen begonnen. Bei nicht-gynäkologischen Verletzungen organisieren wir in Zusammenarbeit mit dem universitären Notfallzentrum die Versorgung der Wunden.

Unsere Ärztin vermittelt Ihnen medizinische und auch rechtliche Informationen und Hilfe bei der Verarbeitung der Gewalttat. Sie nennt Adressen der Fachstellen für Opferhilfe und bespricht mit Ihnen das weitere Vorgehen.

Unsere Ärztin hält sich an die ärztliche Schweigepflicht.

Muss ich Anzeige erstatten?

Sie können sich ohne Anzeige bei der Polizei bei uns melden. Eine Untersuchung ist unabhängig von einer Anzeige, auch wenn die Rechtsmedizin zur Spurensicherung beigezogen wird. Die Spuren werden dann gesichert und aufbewahrt. Sie werden nur im Falle einer späteren Anzeige ausgewertet. Medizinische Untersuchungen auf Infektionen werden immer ausgewertet.

Falls Sie die Polizei informieren, kommt es automatisch zu einer Anzeige. Bei der Polizei werden Sie in jedem Fall von einer weiblichen Beamtin befragt. Die Polizistin nimmt Kontakt mit uns auf und Sie werden in der Universitätsfrauenklinik von einer Gynäkologin und einem Arzt/einer Ärztin des Instituts für Rechtsmedizin untersucht. Die gesicherten Spuren werden im Auftrag der Justizbehörden ausgewertet.

Die medizinische Betreuung unterscheidet sich nicht, egal ob Sie eine Anzeige bereits erstattet haben oder sich dies noch überlegen möchten.

An wen kann ich mich bei häuslicher oder familiärer Gewalt wenden?

Erwachsene

Wenn Sie von häuslicher Gewalt oder Gewalt in der Familie betroffen sind, steht Ihnen der Erwachsenennotfall im universitären Notfallzentrum jederzeit zur Verfügung.

Tel +41 31 632 24 02

Kinder

In Fällen von Gewalt an Kindern wenden Sie sich bitte an die Kinderschutzgruppe des Inselspitals Bern

Tel +41 31 632 94 86 (8.30–17.00 Uhr)

Tel +41 31 632 92 77 (in dringenden Fällen ausserhalb der Bürozeit)