Mehrlingsschwangerschaft

Seit den 90er Jahren nehmen Zwillinge und insbesondere höhergradige Mehrlingsschwangerschaften bedingt einerseits durch das steigende Alter der Frauen und andererseits auch durch reproduktionsmedizinische Techniken im Rahmen von Behandlungen wegen Unfruchtbarkeit stetig zu. Man braucht kein Geburtshelfer zu sein um zu sagen, dass diese Schwangerschaften doppelt und mehr Risiken haben als Einlingsschwangerschaften. Dabei sind vor allem die sogenannten monochorialen Mehrlinge zu nennen welche etwa 20% der Zwillingsschwangerschaften beziehungsweise 2%o der Schwangerschaften insgesamt ausmachen. Die Bezeichnung „monochorial“ bezieht sich dabei auf den Mutterkuchen (Plazenta) und bedeutet, dass eine Plazenta beide Kinder versorgt. In den allermeisten Fällen handelt es sich dabei um eineiige Zwillinge, also um Kinder, welche aus einer Eizelle stammen welche durch ein Spermium befruchtet worden ist. Diese Kinder sind genetisch identisch und entsprechend auch gleichgeschlechtig. Man erklärt sich das so, dass im Verlaufe der Zellteilungen aus irgendeinem Grund es zu einer Spaltung kommt und aus initial einem geplanten Kind entstehen 2 Kinder. Je nachdem in welchen Zeitpunkt diese Aufsplittung der frühen Embryonalzellen stattfindet, unterscheidet man Zwillinge mit einer Plazenta und zwei Fruchthöhlen, beide Zwillinge in einer Fruchthöhle und falls die Spaltung erst nach dem 12.Tag der Befruchtung stattfindet, können sich die Zellen nicht mehr vollständig teilen und wir sehen dann das sehr seltene Bild von siamesischen Zwillingen. Die zweieiigen Mehrlinge entstehen, entsprechend dem Gesagten, aus der Befruchtung von zwei Eizellen durch zwei Spermien und weisen immer zwei Plazenten (Dichorial) auf mit zwei Fruchthöhlen. Die Kinder sind genetisch somit unterschiedlich. Die Unterscheidung zwischen dichorialen und monochorialen Mehrlingen ist extrem wichtig und kann bzw. muss mittels Ultraschall bereits in den ersten 3 Monaten durchgeführt werden.

Wenn zwei Kinder zusammen spielen, können Probleme entstehen. Dies gilt v.a. für monochoriale Zwillinge welche eine ernsthafte Komplikation machen können welche Transfusionssyndrom genannt wird. Dabei gibt ein Kind dem anderen Blut (Transfusion) über Blutgefässe welche auf der Plazentaoberfläche die beiden Kreisläufe verbinden. An der Universitätsfrauenklinik Bern haben wir, als einzige Klinik in der Schweiz, eine langjährige Erfahrung in der Behandlung dieser Problematik. Dabei dringt man durch die mütterliche Bauchdecke mit einem feinen Instrument, an welches eine Kamera und eine Glasfiber gekoppelt ist, in die Gebärmutter und mittels gezielter Laserstösse werden diese gefährlichen Gefässverbindungen auf der Plazenta verödet was das Transfusionssyndrom stoppt. Es ist ein schweres Krankheitsbild und nicht immer gelingt es uns, beide Kinder zu retten. Die Tatsache jedoch, dass ohne Therapie dieses Krankheitsbild für beide Kinder tödlich verlaufen kann, lässt uns keine andere Option offen als eben zu handeln. Das Erkennen eines solchen Transfusionssyndromes ist in der Regel einfach da ein Kind sehr viel Fruchtwasser produziert und das andere Kind kaum mehr. Die schwangere Frau klagt entsprechend über einen rasch zunehmenden Bauchumfang und oft auch Schmerzen. Die Erkennung von Frühzeichen mittels Ultraschall braucht etwas mehr Erfahrung und ist aber entscheidend wichtig da die Prognose eines Eingriffes unter anderem vom Stadium der Problematik abhängig ist.