Frühgeburt

Eine Schwangerschaft dauert etwas mehr als 280 Tage oder 40 Wochen oder 10 Lunarmonate à 28 Tage. Die Geschichte mit den 9 Monaten geht somit nie richtig auf und wir pflegen in der Regel lieber von Wochen zu sprechen. Jedenfalls ist es so, dass alles unter der vollendeten 37. Woche als Frühgeburt definiert wird.

Es gibt nicht einen einzigen Grund, der eine zu frühe Geburt verursacht. Die Frühgeburtlichkeit ist eine Entität, welche durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden kann. Die Geburt ist letztendlich dann nur die gemeinsame Endstrecke welche immer gleich abläuft.

Leider nimmt weltweit dieses Problem stetig zu und belastet das Gesundheitswesen zunehmend. Frühgeborene Kinder haben ein höheres Potential für chronische Krankheiten im weitesten Sinne und bedürfen je nach Situation einer speziellen Betreuung. Wie bereits erwähnt, sind die Ursachen vielfältig und können mütterlicher (z.B. Präeklampsie, Infektionen) oder kindlicher Natur (Wachstumsstörungen, Fehlbildungen) sein. Oft gehen vorzeitige Wehen und/oder ein vorzeitiger Blasensprung dem Geburtsgeschehen voraus oder das Kind wird gewollt zu früh geboren (zum Beispiel wegen Präeklampsie). Andere wichtige Gründe welche das Risiko erhöhen sind Blasenentzündungen und Nikotin. Regelmässige Kontrollen des Urins im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge und die Nikotinabstinenz können das Frühgeburtsrisiko eindeutig senken.

Frauen mit bereits erlebter Frühgeburt haben ein erhöhtes Risiko und sollten speziell betreut und beraten werden. Wir können mit gezielten Massnahmen das Risiko zu senken versuchen. Zu diesen Massnahmen gehören zum Beispiel die Cerclage (operativer Verschluss des Muttermundes), der Einsatz von Antibiotika, vaginales Progesteron (hormonelle Behandlung) und die Wehenhemmung bei vorzeitiger Wehentätigkeit. Jede dieser Massnahmen braucht eine ganz klare Indikation,da die möglichen Nebenwirkungen nicht unerheblich sein können. In jedem Fall sollte bei drohender Frühgeburt unter der 34. Woche eine Lungenreife-Induktion mit der Gabe eines cortisonähnlichen Medikamentes durchgeführt werden, da diese Massnahme v.a. bei den frühen Frühgeburten das Risiko für Atemprobleme, Hirnblutungen oder Probleme mit der Verdauung zu verringern helfen.

Bei vorzeitiger Wehentätigkeit kann der Ultraschall und insbesondere die transvaginale Sonographie helfen zu verstehen, ob es richtige Wehen sind oder eher nicht. Als wichtiges Mass gilt die Länge des Muttermundes (Zervix). Denn je kürzer der Muttermund ist, desto höher das Risiko für eine Frühgeburt. Falls immer möglich, empfehlen wir die normale Geburt bei unaufhaltsamer Frühgeburt und Kind in Schädellage.