Krankheitsbilder Gynäkologische Onkologie

Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)

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  • Eierstockkrebs betrifft in der Schweiz jährlich rund 600 Frauen, das sind rund 3% aller Krebserkrankungen bei Frauen.
  • Obwohl Eierstockkrebs in höherem Alter gehäuft auftritt, können auch jüngere Frauen daran erkranken: 15% der Patientinnen sind zum Zeitpunkt der Diagnose jünger als 50 Jahre.
  • Risikofaktoren: Vorangegangende Eierstocktumore, Endometriose, Genetische Veranlagung (vor allem BRCA Mutation), Kinderlosigkeit, keine Pilleneinnahme, frühe Menstruation und/oder späte Menopause.

Diagnose
Die Diagnosestellung ist oft erschwert, da die Erkrankung meist sehr lange ohne Symptome. verläuft. Mögliche Symptome sind:

  • Anschwellen des Bauchs
  • Völlegefühl und Verdauungsbeschwerden
  • Andauernde Schmerzen im Unterbauch
  • Aussergewöhnliche Zyklusstörungen

Oft wird die Krebserkrankung auch durch Zufall entdeckt, biespielsweise nach einer CT Untersuchung. Viele Patientinnen fühlen sich von Ihrem Körper betrogen oder verlieren Ihr Vertrauen zu Ihrem Körpergefühl, weil der Tumor weit fortgeschritten ist. Dies ist jedoch häufig der Fall und es ist wichtig, die Patientin zu informieren, dass Sie keine Schuld daran trägt. Die Diagnosestellung erfolgt meistens mittels Ultraschall aber auch durch Tumormarker, CT Untersuchung oder MRI.

Behandlungsoptionen
Die Behandlung erfolgt meist durch die operative Entfernung des Tumors am Eierstock. Während der Operation kann das Gewebe bereits untersucht werden, um sicher zu wissen, ob es sich um Krebs handelt oder nicht. So kann in 90-95% der Fälle die Diagnose bereits klar in gutartig oder bösartig eingeteilt werden. Falls dies mit der Patientin so vorbesprochen, kann bei einem bösartigen Befund in der gleichen Operation die Behandlung durchgeführt werden und so eine Zweitoperation verhindert werden. 

Die Operation erfolgt wenn möglich minimalinvasiv, das heisst mittels kleiner Einschnitte für die Instrumente. Oft ist jedoch leider eine ausgedehnte Operation mit einem grösseren Bauchschnitt nötig. In der Regel müssen die Gebärmutter, beide Eierstöcke und Eileiter, der Blinddarm und das Omentum (Fettschürze über dem Darm liegend) entfernt werden. Je nach Stadium müssen die Lymphknoten im hinteren Bauchraum mitentfernt werden und bei fortgeschrittenen Stadien ist manchmal eine Entfernung eines Darmsegmentes oder der Milz nötig. Entscheidend ist eine Entfernung von jeder erkennbareren Stelle, die vom Tumor befallen ist. Diese Operationen erfordern viel Erfahrung und ein spezialisiertes Team.
Meist wird anschliessend an die Operation eine Chemotherapie empfohlen (bei fortgeschrittenen Stadien teilweise auch vor der Operation). Die Operation und die Chemotherapie braucht es beides und ergänzen sich in Ihrer Wirkung.

Beim Ovarialkarzinom wird in fast allen Fällen eine genetische Beratung empfohlen, da es neuere Therapieoptionen gibt für die sogenannten Erhaltungstherapien. Bei genetischer Vorbelastung sind diese Therapien wirksamer und können gezielter eingesetzt werden.

Fertilitätserhalt
Falls eine Patientin über 40 Jahre alt ist ist und noch klaren Kinderwunsch hat, kann beim Frühstadium ein Fruchtbarkeits-erhaltendes Vorgehen erwogen und mit der Patientin besprochen werden. Dafür ist ein sehr sorgfältiges Abwägen der Risiken und Möglichkeiten erforderlich.

Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom)

Das Endometriumkarzinom ist der häufigste gynäkologische Tumor in der Schweiz. Mehr als 75% der Patientinnen sind zum Zeitpunkt der Diagnose in der Menopasue, etwa 10% sind jedoch unter 45 Jahren. Die Prognose des Endometriumkarzinoms ist gut, da die meisten Diagnosen in einem frühen Stadium gestellt werden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass häufig das klassische Symptom von Blutungen nach der Menopause auftritt. Bei solchem Symptom oder auch Blutungsstörungen vor der Menopause, muss mittels gezielter Ultraschalluntersuchung die Gebärmutter genau untersucht werden.

Diagnose
Die Diagnose kann mittels einer Gewebeentnahme gestellt werden. Diese kann ambulant in der Sprechstunde erfolgen. Mit dieser Untersuchung kann man einen bösartigen Tumor finden, jedoch nicht sicher sein, dass er gutartig ist. Um eine bösartige Erkrankung gänzlich auszuschliessen, sind eine Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) und Auskratzung (Curettage) notwendig.

Behandlung
Oft kann mit einer Gebärmutter- und Eierstock Entfernung der Tumor bereits ganz behandelt werden. Die bösartige Veränderungen stammen von der Gebärmutterschleimhaut und wachsen in die Muskulatur hinein. Mit der Zeit kann eine Verbreitung über die Lymphknoten erfolgen. Daher ist meist eine Mitentfernung der Wächterlymphknoten (Sentinel) nötig. Wir bieten auch bei fortgeschrittenen Stadien die Therapie minimalinvasiv an, das heisst, die Operation wird nur durch kleine Einschnitte statt einem grossen Bauchschnitt gemacht. Alle Therapie-Optionen und auch die Empfehlung für weitere Behandlungen wie Chemotherapie und Bestrahlung werden an unserem interdisziplinären Tumorboard besprochen und der Patientin erklärt. Als Zentrum bieten wir Erfahrung auch bei selteneren Tumore der Gebärmutter, Optionen bei Kinderwunsch und auch mögliche Optionen in Spezialsituationen sowie beispielsweise Begleiterkrankungen/Voroperationen.

Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)

Durch die verbreiteten Vorsorgeuntersuchungen mittels PAP Abstrich und die HPV-Impfungen ist Gebärmutterhalskrebs zum Glück selten geworden.

Behandlung
Die Therapie von Gebärmutterhalskrebs unterscheidet sich markant von den anderen Gebärmuttertumoren: Die operative Therapie und die Chemotherapie oder Bestrahlung regänzen sich hier nicht. Alle Therapie zu kombinieren erbringt bei dieser Krebserkrankung keinen Vorteil. Daher ist die Planung der Therapie sehr früh interdisziplinär und eine sehr sorgfälltige Abklärung muss erfolgen. Dies erfolgt mittels Biopsieennahme (Gewebeentnahme) oder Konisation, Ultrschalluntersuchung, ggf auch PET oder MRU Untersuchung.

Die Ausdehung der Erkankung wird auch Anhand des Entfernungs und Untersuchung des Wächterlymphknotens (Sentinel) festgelegt. Diese Untersuchungen sind minimal invasiv und wir sind Europaweit führend in der Erfahrung und Wissenschaftlichen Untersuchung der Sentinel Technik.
Im Frühstadium erfolgt die Therapie mittels Konisation oder einfacher Gebärmutterentfernung (Hysterektomie). Sobald eine gewisse Grösse des Tumors erreicht wird, braucht es eine sogenannte radikale Hysterektmoie, dh Entfernung der Gebärmutter mit Angrenzendem Gewebe und eine Lymphknotenentfernung. Für diese Operationen ist spezialisiertes Wissen und Erfahrung erforderlich.
In den fortgeschrittenen Stadien werden oft die Lymphknoten im oberen Bereich des Bauches entfernt, um zu wissen, wie weit nach oben die Bestrahlung nötig ist. Dann erfolgt eine primäre Bestrahlung mit begleitender Chemothrapie.
Leider kommt Gebärmutterhalskrebs auch bei Frauen im gebärfähigen Alter vor. Falls noch Kinderwunsch besteht, können nach einem Ausführlichen Gespräch mit der Patientin die Optionen besprochen werden.
Auch beim Gebärmutterhals Krebs bieten neueren Krebstherapien in Rahmen von Studien wie zB T-Zell Impfungen möglicherweise weitere Optionen zur Bekämpfung des Tumors. 

Scheidenkrebs (Vaginalkarzinom) und Schamlippenkrebs (Vulvakarzinom)

Krebserkrankungen der äusseren und inneren Schamlippen und der Dammregion betreffen häufig ältere Frauen. Bei den bösartigen Veränderungen der Schamlippe und der Scheide handelt es sich um Hautveränderungen oder auch HPV bedingte Krebsformen.

Diagnose
Die Diagnose kann mittels Abstrich oder Biopsie (Gewebeentnahme) erfolgen nach einer sorgfältigen Untersuchung.

Behandlung
Die Tumoren werden heutzutage meist operativ entfernt. Uns ist wichtig, möglichst die Funktionen von der Scheide, der Harnröhre und des Darmausganges zu erhalten.
Die operative Entfernung muss im Gesunden erfolgen und der Wächterlymphknoten wird in der Leiste entfernt. Die genaue Identifikation dieses Lymphknotens ist bei dieser Krebsform sehr entscheidend: daher wird dieser in der Nuklearmedizin vorher markiert und dann während der Operation mit den neusten Techniken identifiziert und entfernt.
Nach der Operation wird mittels spezialisierter Pflege die Wundheilung in diesem heiklen Gebiet kontrolliert und unterstützt.

Bei allen Tumorarten bieten wir ein Netz aus Ärzten, Pflegeexperten und Psycho-Onkologen welche Sie auf Ihren individuellen Weg begleiten.