Dysplasie

Dysplasie ist der medizinische Ausdruck, mit dem eine Veränderung einer Zelle oder eines Gewebes beschrieben wird.

Die Dysplasie Sprechstunde ist unsere Spezialsprechstunde für Frauen mit Zellveränderungen oder Erkrankungen der Zervix (Gebärmutterhals) der Portio (Muttermund), der Vagina (Scheide) und der Vulva (Scheideneingang, äussere und innere Schamlippen, Schamhügel, Dammregion). Diese Veränderungen werden von Fachärztinnen/Fachärzten diagnostiziert und abgeklärt, die Frauen werden individuell beraten und behandelt

Welche Krankheitsbilder sehen wir häufig in unserer Dysplasiesprechstunde:

  • Dysplasien an Portio/Zervix/Vagina/Vulva
  • Hauterkrankungen der Vulva

Häufige Fragen

Ein auffälliger Abstrich und jetzt?

Dank dem Einführen von regelmässigen Vorsorgeuntersuchungen erkranken heutzutage in Nordeuropa und der Schweiz viel weniger Frauen an einem Gebärmutterhalskrebs als noch vor einigen Jahren.

Jedoch kommt es immer wieder beim Krebsabstrich des Muttermundes zu auffälligen Befunden, die bei den betroffenen Frauen oft unnötig Angst auslösen. Wichtig ist zu wissen, dass der Abstrich nicht ausschliesslich nach Krebs sucht, sondern vielmehr nach den Vorstufen dazu. Die Vorstufen zeigen sich als Zellveränderungen (Dysplasien). Diese können sich nach einer langen Phase (bis zu 10 Jahren) ohne Symptome zu einem bösartigen Geschehen entwickeln. Wenn wir wissen, dass Zellveränderungen vorliegen, können wir sie in unserer Dysplasiesprechstunde mit einer speziellen Untersuchung sichtbar machen und kontrollieren.

Wie erkennt man Dysplasien und welche speziellen Untersuchungen werden in der Dysplasiensprechstunde durchgeführt?

In der Dysplasiesprechstunde wird eine Kolposkopie durchgeführt, das heisst, dass Haut und Schleimhäute durch ein optisches Gerät betrachtet werden, das eine 30fache Vergrösserung ermöglicht. Ein geübtes Auge, kann somit Zellveränderungen feststellen, die von der Norm abweichen. Nach Auftragen von 5% Essigsäure oder Jodlösung werden krankhafte Veränderungen zusätzlich sichtbar gemacht.

Von den auffälligen Regionen werden Zellabstriche (Spatel, Zellbürste) entnommen, die in einem speziellen Transportmedium (Thin-Prep®-Technik (Dünnschichtzytologie) ) ins Labor zur Auswertung gegeben werden. Kolposkopie und Zytologie ermöglichen in mehr als 95% der Fälle eine richtige Diagnosestellung von unseren speziell ausgebildeten Ärzten.

Wie kommt es zu einer Dysplasie?

Für die Entstehung einer Dysplasie und somit auch die Entwicklung eines Zervixkarzinomes gilt die Infektion mit humanen Papillomavirus (HPV) als gesichert. Jedoch können Risikofaktoren, z.B. Rauchen, dazu beitragen, eine Virusvermehrung zu begünstigen.

Was ist HPV?

Bei den Humanen Papilloma Viren (HPV) handelt es sich um DNA-Viren, von denen inzwischen mehr als 150 verschiedene Typen bekannt sind. Die Übertragung von HPV erfolgt überwiegend durch Sexualkontakt, zirka 70% aller sexuell aktiven Frauen und Männer sind infiziert.

Verschiedene HP-Viren lösen unterschiedliche Erkrankungen aus und werden so in verschiedene Risikogruppen eingeteilt.

1.Low-risk Gruppe (z.B. Typ 6,11,42,43,44)
Viren mit geringem Entartungspotential, Erreger von genitalen Warzen (Condyloma acuminata oder Feigwarzen), die an den äusseren Geschlechtsorganen wie Scheide, Penis oder Hoden auftreten.

2. High-risk Gruppe (z.B. Typ 16,18,31,33,45, 52,58)
Viren, die bösartige Zellveränderungen ver- ursachen können. In Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses (= Dysplasien) werden vor allem Typ 16 und 18 nachgewiesen.

Wie verläuft eine HPV-Infektion?

Oft bleibt die Ansteckung nach dem Sexualkontakt unbemerkt, da sie nicht zu spürbaren Veränderungen führt. Ca. 90% aller HPV Infektionen heilen innerhalb von Monaten bis zu einem Jahr spontan wieder ab. Bei jungen Frauen im Alter bis zu 30 Jahren werden deshalb sehr häufig HPV Viren der Hochrisikogruppe nachgewiesen, bei Frauen über 35 Jahre nur noch selten. Das heisst, dass die eigene Immunabwehr meistens ausreicht um die HPV zu eliminieren.

Nur bleibende HPV-Infektionen mit dem Hochrisikovirus über 2 Jahre können zu Dysplasien und -ohne Behandlung - zu Gebärmutterhalskrebs führen. Die Vorstadien bedeuten, dass regelmässige Kontrollen notwendig sind und falls sie nicht abheilen, müssen die veränderten Zellen chirurgisch entfernt werden.

Was kann man gegen HPV tun? - Impfung!

Präventive Impfungen haben das Ziel, den Körper gegen HPV-Infektionen zu schützen, dafür gibt es zwei verschiedene Impfstoffe. Beide schützen vor den HPV-Typen, die am häufigsten Gebärmutterhalskrebs auslösen können (Typ 16 und 18), einer zusätzlich vor zwei Typen, die Genitalwarzen verursachen können (Typ 6 und 11).

Am sinnvollsten ist eine Impfung bei jungen Mädchen vor Beginn der sexuellen Aktivität und somit vor einer Infektion mit relevanten Viren. Für einen optimalen Schutz sind bei Mädchen drei Injektionen innerhalb von 6 Monaten notwendig.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) empfehlen eine generelle Impfung für alle Mädchen im Alter von 11 bis 14 Jahren sowie für 15- bis 19jährige Mädchen eine Nachholimpfung bis Ende 2012. Auch für Frauen bis 26 Jahre kann eine Impfung sinnvoll sein, dies muss jedoch mit dem Arzt individuell entschieden werden. Im Rahmen der kantonalen Impfprogramme ist die Impfung gemäss diesen Empfehlungen kostenlos. Für die 15- bis 26-Jährigen ist die Kostenübernahme bis Ende 2017 begrenzt. Die HPV-Impfung kann in unserem Ambulatorium durchgeführt werden.

Welche Behandlungsverfahren stehen an der Universitätsfrauenklinik zur Verfügung

Wenn bei Ihnen eine Veränderung am Muttermund, Vulva oder Scheide festgestellt wurde, die einen operativen Eingriff benötigt, werden an unserer Universitätsfrauenklinik, die modernsten Methode mit CO2-Laser unter kolposkopischer Kontrolle angewendet. Damit können oberflächliche Veränderungen "verbrannt" werden oder Veränderungen am Muttermund als Konus herausgeschnitten werden. Eine andere Möglichkeit ist die Entfernung der Dysplasie mittels elektrischer Schlinge (large loop excision of transformation zone = LLETZ), ebenfalls unter kolposkopischer Kontrolle. Die Eingriffe können ambulant oder im Rahmen eines Krankenhausaufenthalt von 1-2 Tage durchgeführt werden.

Hauterkrankungen der Vulva

  • Ursachen von Juckreiz ( z.B. Infektionen, nicht infektiöse Hauterkrankungen, Ekzeme, Bindegewebsveränderungen (Lichen sclerosus), falsche/ zuviel Pflege...)
  • Ursachen von Brennen und Berührungsschmerz ( z.B. bakterielle Infekte, Herpes, Behcet-Syndrom, Vestibulitis, M. Paget, Arzneimittelexanthem, Pemphigus...)
  • Erosionen und Ulcera ( z.B. Sexuell übertagbare Infektionen, Verletzungen...)
  • Pigment- und Gefässveränderungen an der Vulva ( z.B. verstärkte Pigmentierung (Lentigo, Melanosis, pigmentierte Nävi), verminderte Pigmentierung ( Vitiligo), Varikosis, Angiome...)
  • gutartige Tumoren und Knoten ( z.B. Zysten mit Talg/Sekret, Akne, Fibrome, Mollusca contagiosa, Condylomata acuminata....)

Interdisziplinäre Sprechstunde von Gynäkologen und Dermatologen

In unserer Dysplasiesprechstunde werden Hauterkrankungen der Vulva auch in Zusammenarbeit mit den Spezialisten aus der Hautklinik behandelt. Ein bis zwei Mal pro Monat wird in der Frauenklinik eine interdisziplinäre Sprechstunde von Gynäkologen und Dermatologen abgehalten, in denen Patientinnen mit Hauterkrankungen der Vulva untersucht, beraten und behandelt werden.