Pink October - das Brustzentrum, Inselspital Bern unterstützt den Brustkrebsmonat Oktober und unterstreicht damit sein Engagement und die Solidarität mit Betroffenen. In den nächsten Wochen werden hier regelmässig Beiträge und Interviews rund um Themen der Prävention, Früherkennung und Behandlung publiziert.

Folgen Sie uns auch auf Facebook und Instagram auf dem Kanal der Inselgruppe #Brustkrebsmonat.

Genetische Veranlagung für Brust- und Eierstockkrebs - Interview mit Dr. med. Laura Knabben

Das Brustzentrum im PinkOctober - Beitrag vom 22. Oktober 2021

«Bei einer familiären Vorbelastung können eine einfühlsame Beratung und der Austausch mit anderen grosse Entlastung bringen.»

Dr. med. Laura Knabben, Oberärztin Brustzentrum

 

 

Was genau versteht man unter familiär bedingtem Brustkrebs? 

Wir wissen heute, dass circa 10% der Fälle von Brustkrebs familiär bedingt sind. Hier liegen in einer Familie genetische Veränderungen vor, die zu gestörten Reparaturmechanismen bei der Zellteilung führen und damit das Risiko einer Krebserkrankung stark erhöhen. Am häufigsten ist dabei das so genannte BRCA1- oder BRCA2-Gen betroffen. Diese Veränderungen lassen sich mit einem Gentest nachweisen. Gesunde Frauen haben die Möglichkeit vorbeugende Massnahmen zu ergreifen, für bereits Erkrankte eröffnen sich zusätzliche Therapiemöglichkeiten.  

Sollten Frauen, deren Mutter oder sonst nahe Verwandte an Brustkrebs erkrankten, immer einen Gentest machen?

Ein Gentest ist nicht für alle empfohlen. Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung der Frau. Wenn in einer Familie Brustkrebsfälle aufgetreten sind, heisst das nicht zwangsläufig, dass es sich um eine vererbbare Form handelt. Wenn es eine vererbbare Form ist, heisst das wiederum nicht, dass die Frau die Genveränderung auch wirklich geerbt hat. Es gibt Einschlusskriterien die bestimmen, ob ein Gentest sinnvoll ist (zu den Einschlusskriterien).

Wichtig zu wissen ist auch, dass Frauen, die das veränderte Gen geerbt haben, nicht zwangsläufig an Brustkrebs erkranken. 

Was gibt es für Behandlungsmöglichkeiten für Frauen, die Trägerinnen der Genveränderung sind?

Beim Nachweis einer Mutation in einem Hochrisikogen bei gesunden Frauen gibt es die Möglichkeit der intensivierten Früherkennung. Hier kommen verschiedene bildgebende Verfahren, z.B. Ultraschall, Mammographie und MRI zum Einsatz. Alternativ kann das Erkrankungsrisiko durch eine vorbeugende Operation massiv gesenkt werden. 

Für Frauen, die bereits an Brustkrebs erkrankt sind und Trägerin einer Genveränderung sind, kann die Prognose durch neuere zielgerichtete Medikamente wie die so genannten PARP Inhibitoren, die sich gezielt den gestörten Zellreparaturmechanismus zunutze machen, wesentlich verbessert werden. 

Was bietet das Brustzentrum des Inselspitals Bern für Frauen mit familiär bedingtem Brustkrebs? 

Da es sich häufig um komplexe Situationen handelt bieten wir eine umfassende individuelle Betreuung an. In einem ausführlichen Beratungsgespräch wird zunächst die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Genveränderung ermittelt und mögliche Konsequenzen eines Gentests besprochen. Aber auch nach der Diagnose betreuen wir Betroffene engmaschig in unserer senologischen Risikosprechstunde: beraten bezüglich prophylaktischen Operationen, Familienplanung, Lifestyle und bieten nicht zuletzt auch psychologische Unterstützung an. Unser BRCA Gesprächskreis gibt betroffenen Frauen die Möglichkeit sich untereinander auszutauschen. 

Breast and Cancer Care Nurses - Individuelle und umfassende Unterstützung

Das Brustzentrum im PinkOctober - Beitrag vom 13. Oktober 2021

«Viele Betroffene fühlen sich, als stünden sie vor einem grossen Berg. Wir begleiten sie, räumen Steine aus dem Weg und unterstützen sie dabei, Ziele zu erreichen.»

Monika Biedermann, Breast Cancer Care Nurse

 

 

Als spezialisierte Pflegefachpersonen begleiten Breast Cancer Care Nurses (BCN) Patientinnen auf ihrem Weg und im Umgang mit der Erkrankung. Monika Biedermann, BCN Brusztentrum, Inselspital Bern war 2004 eine Pionierin in dieser Funktion und ist heute Präsidentin des Schweizer BCN-Verbandes. In der Sendung «Gesundheit heute» erzählt Monika Biedermann von ihrer Arbeit:

SRF1, gesundheitheute, 12. Dezember 2020: Frauen mit Brustkrebs

Deshalb ist Solidarität so wichtig - Erfahrungen einer Patientin

Das Brustzentrum im PinkOctober - Beitrag vom 8. Oktober 2021

«Die Brustkrebs Diagnose traf mich aus heiterem Himmel. Die umfassende Unterstützung sowohl von Fachpersonen aber auch von Freunden und Familie haben mir Kraft gegeben.»

Judith Safford, engagierte Geschäftsfrau, begeisterte Bergsteigerin und ehemalige Brustkrebspatientin

Plötzlich ist alles anders... Die Diagnose Brustkrebs kann das Leben von Patientinnen und seltener auch Patienten auf den Kopf stellen. Wie fühlt es sich wirklich an, wenn sich jemand in dieser Situation befindet? Was bedeutet die Diagnose für Angehörige und Freunde? Und inwiefern können Solidarität, Liebe und Mitgefühl den Leidensweg erheblich verbessern? 

Judith Safford, engagierte Geschäftsfrau, begeisterte Bergsteigerin und ehemalige Brustkrebspatientin, teilt ihre wertvolle Erfahrung. 

Frau Safford, Sie erhielten die Diagnose Brustkrebs im Jahr 2019. Wie war dieser Moment für Sie und welche Gefühle hat sie in Ihnen ausgelöst?

Judith Safford: Ich bat darum, die Diagnose nicht per Brief, sondern telefonisch zu erhalten. Der Anruf kam am frühen Abend. Als mein Telefon klingelte, war ich in einem Park in Bern, wo ich meine Tochter zu einem Picknick getroffen hatte. Nach der Begrüssung sagte mir die Ärztin, wer sie sei. Dann führte sie das Gespräch mit «Leider...» fort. Dieses Wort war alles, was ich wirklich aufnehmen konnte und es war mir klar, was es bedeutete. Ich verfiel in einen Schockzustand, der sich wie ein Überlebensmodus anfühlte. Dabei war es schwierig, Einzelheiten zu verstehen, darauf zu reagieren oder mir zu merken, wie und wann die Behandlung ablaufen würde. Ich weiss nicht mehr, wie der Anruf endete, aber ich fragte mich anschliessend, was ich meiner Tochter sagen würde und ob wir noch einen schönen Abend miteinander verbringen könnten. 

Wir sprechen von Solidarität. Welche Gesten oder Handlungen vom medizinischen Personal oder aus Ihrem Umfeld haben Ihnen besonders gutgetan?  

Judith Safford: Ich nehme Medikamente gegen eine andere Erkrankung ein. Die Empfehlung lautete, diese Behandlung nach einer Krebsdiagnose abzubrechen. Daraus ergab sich für mich ein grosses Dilemma. Eine Ärztin nahm sich Zeit, um sich über das Thema zu informieren und unterstützte mich mit Informationen und Ratschlägen. Das war so hilfreich – von unschätzbarem Wert für mich. Zudem nahmen sich viele Freundinnen und Freunde Zeit für mich, schenkten mir etwas oder unterstützten mich anderweitig. Das ist sehr wichtig in der Zeit vor der Operation, aber auch während und in den Monaten nach der Behandlung. 

Oft sind Menschen mit schwierigen und traurigen Themen überfordert. Was würden Sie diesen Menschen raten zu tun oder zu lassen, wenn sie mit einer an Brustkrebs erkrankten Person konfrontiert werden? 

Judith Safford: Ich verstehe, dass einige Leute nicht wissen, wie sie reagieren sollen. Und es gab bei mir in der Tat einige Verlegenheits-Reaktionen, wie zum Beispiel: «Oh, meine Mutter ist daran gestorben!» oder: «Oh je, du bist eine Arme!» Ich fand beides nicht sehr hilfreich. Überraschend viele Frauen erzählten mir, dass sie selber einige Zeit zuvor an Brustkrebs erkrankt waren, aber jetzt alles wieder gut sei. So wurde mir klar, dass Brustkrebs recht häufig vorkommt. Es ist aber ein Tabuthema, über das Frauen nicht proaktiv sprechen. In dem Dorf, in dem ich lebe, haben mich einige Leute scheinbar gemieden. Sicher lag es nur daran, dass sie nicht wussten, was sie sagen sollten, und nicht daran, dass es ihnen egal war. Vielleicht hatten sie persönliche Erfahrungen gemacht, die ihre Reaktion beeinflussten. Im Allgemeinen würde ich sagen, dass ich mich durch das Schweigen mit meiner Diagnose allein gelassen fühlte. Erst wenn Menschen ihr Mitgefühl ausdrückten, mich aber fragten, ob ich überhaupt darüber sprechen wolle oder nicht, fühlte ich Solidarität. Die Freiheit zu haben, mich selber zu entscheiden, war sehr hilfreich. Ich glaube, dass das Stärkste im Gesundheitswesen Liebe und Mitgefühl ist, und das kann jede und jeder geben. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, das zu tun, auch wenn es nur ein Telefonanruf oder eine Karte ist. 

Angehörige leiden mit, fühlen sich ohnmächtig und werden von der Aussenwelt manchmal vergessen. Wie ist Ihr Umfeld mit Ihrer Erkrankung umgegangen? Haben Sie Tipps, die bei der Bewältigung dieser schwierigen Situation, in der beide Parteien leiden, geholfen haben?

Judith Safford: Meine Familie hat mich sehr unterstützt. Alle waren optimistisch, dass es gut ausgehen würde. In meinem Fall war es auch so. Aber natürlich gibt es auch andere Verläufe und ich glaube, dass die Gesellschaft und das Gesundheitssystem besser erkennen müssen, dass nahestehende Personen aus den von Ihnen genannten Gründen möglicherweise ebenso viel Unterstützung brauchen wie Patientinnen und Patienten. Wenn dies erkannt wird, dann wird es in Zukunft auch für nahe Angehörige leichter sein, Hilfe zu bekommen. 

Der Oktober steht im Zeichen des Brustkrebses. Gibt es etwas, das Sie anderen Brustkrebspatientinnen mit auf den Weg geben möchten?

Judith Safford: Wahrscheinlich hat jede Patientin und jeder Patient Fragen. Ich möchte sie ermutigen, diese zu stellen um die Antworten zu erhalten, die sie brauchen. Nutzen Sie die Dienstleistungen, die Brustkrebspatientinnen und -patienten zur Verfügung stehen. Damit meine ich neben der Unterstützung zur Behandlung, psychosoziale und andere Themen. Viele Spitäler, aber auch Patientenverbände, bieten ein sehr gutes Angebot. Das Wichtigste: Nehmen Sie zu den Konsultationen jemanden mit, der Sie dabei unterstützt, die Diagnose und Behandlung zu verstehen und offene Fragen zu stellen. Diese Person kann die Antworten für Sie notieren, denn wahrscheinlich werden Sie die Informationen selbst nicht aufnehmen können. Ich dachte zuerst, ich käme allein zurecht, aber ich war zu traumatisiert, um das Meiste, was mir gesagt wurde, zu verstehen. Darum war ich sehr froh, dass meine Freundin mithören und alles aufschreiben konnte! 

Ein herzliches Dankeschön für die Zeit und Ihre offenen Worte, Frau Safford. Wir wünschen Ihnen auf Ihrem weiteren Weg alles Gute.

Links zu unterstützenden Begleitangeboten des UCI Brustzentrums für Patientinnen, Patienten und Angehörige: 

Früherkennung und Prävention

Das Brustzentrum im PinkOctober - Beitrag vom 3. Oktober 2021

«Der beste Schutz ist eine frühe Erkennung! Lassen Sie uns gemeinsam gegen Brustkrebs kämpfen.
Wir sind für Sie da!»

 

 

 

Das Risiko einer Frau, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken, liegt bei fast 13 Prozent. Noch immer ist diese Erkrankung die häufigste Todesursache bei Frauen im Alter von 50 bis 70 Jahren. 

Wichtig zu wissen: Brustkrebs der frühzeitig erkannt wird, hat sehr gute Aussicht auf eine erfolgreiche Behandlung. Früherkennung lohnt sich. Sorgen Sie sich nicht, aber tragen Sie sich Sorge. Wir nennen Ihnen vier Tipps, die bei der Brustkrebsfrüherkennung und -vorsorge hilfreich sind:

1. Risikofaktoren

Das Einschätzen der eigenen Risikofaktoren ist für die Früherkennung hilfreich. Besprechen Sie diese mit Ihrem Hausarzt und Frauenarzt. So können regelmässige Routine-Untersuchungen optimal auf Sie abgestimmt werden. Folgende Risikofaktoren spielen eine Rolle: 

  • Geschlecht und Alter
    Frauen haben ein viel höheres Risiko an Brustkrebs zu erkranken als Männer. In der Schweiz erkranken jährlich ca. 6 200 Frauen und 50 Männer. 75% der Frauen sind bei der Diagnose über 50 Jahre alt.
  • Erbliche Vorbelastung
    Befinden sich in Ihrer Familie (Grossmutter, Mutter, Schwester, Tochter) Brustkrebspatientinnen? Falls ja, informieren Sie Ihren Frauenarzt/Ihre Frauenärztin darüber. Am Inselspital beraten wir Sie gerne, ob eine genetische Abklärung (Gentest) sinnvoll ist und welche individuelle Früherkennung geeignet erscheint.
  • Nikotin und Alkohol
    Der Verzicht auf Alkohol und Nikotin vermindern das Brustkrebsrisiko. Es ist ratsam den Konsum zu minimieren oder besser noch komplett einzustellen (insbesondere bei Nikotin). 

2. Selbstabtastung

Kontrollieren Sie Ihre Brust regelmässig auf Veränderungen. Bemerken Sie einen Knoten, Einziehung, blutige Sekretion? Haben Sie Schmerzen? Konsultieren Sie bei Unsicherheiten oder Veränderungen auf jeden Fall Ihren Frauenarzt/Ihre Frauenärztin oder vereinbaren Sie einen Termin in unserer Brustsprechstunde

Wichtig: Die Selbstabtastung ersetzt nicht die Teilnahme an einem kantonalen Mammografie-Screening-Programm über das qualitätskontrollierte donna-Programm. Diese empfiehlt sich für Frauen ab 50 Jahren.


3. Der abklärungsbedürftige Befund

Besteht ein Verdacht auf Brustkrebs oder Symptome in Form von Schmerzen oder Sekretion, bieten sich zur weiterführenden Abklärung folgende Untersuchungsmöglichkeiten an:

  • Mammographie
    Zur Diagnostik wird unteranderem die Mammographie eingesetzt. Die Untersuchung mittels Röntgenstrahlen dauert nur wenige Sekunden und findet im Stehen/Sitzen statt. Dabei wird die Brust zusammengedrückt, was entgegen vieler Befürchtungen keine Schmerzen, sondern eher einen etwas ungewohnten Druck verursachen kann.
  • Ultraschall
    Ergänzend wird bei einer erkannten Veränderung der Brust, eine Untersuchung mittels Handultraschall durchgeführt und gegebenfalls eine Probe entnommen.
  • Invenia ABUS (automated breast ultrasound)
    Zusätzlich haben wir die Möglichkeit einen automatisierten 3D- Ultraschall durchzuführen.

4. Vorbeugen mit Bewegung und gesunder Ernährung

Der letzte Punkt der Vorsorge möchten wir dem Thema Bewegung und Ernährung widmen. Wie fast überall, haben die beiden Themen einen grossen Einfluss auf die allgemeine Gesundheit, auch die Ihrer Brust. Schliesslich ist es auch unser Wunsch, dass Sie gar nicht erst an Brustkrebs erkranken.