Körperliche Aktivität und eine ausgewogene Ernährung während und nach einer Krebsbehandlung unterstützen den Körper im Umgang mit der Erkrankung, reduzieren Nebenwirkungen und steigern die Lebensqualität. Dr. med. Barbara Zeyen, Spitalfachärztin und Psychoonkologin am Brustzentrum und Therese Hischier, Ernährungsberaterin der Frauenklinik sprechen im Interview über Hintergründe, Herausforderungen und Möglichkeiten. 

Frau Dr. Zeyen, welche Nebenwirkungen können durch Sport reduziert werden? 

Eine häufige Nebenwirkung der medikamentösen Therapien ist die Müdigkeit, die in diesem Zusammenhang auch Fatigue genannt wird. Körperliche Aktivität und Ausdauersport können das Wohlbefinden günstig beeinflussen und die Müdigkeit reduzieren. 

Die antihormonellen Therapien bei einer Krebsbehandlung führen ausserdem oft zu Gelenk- und Muskelbeschwerden. Hier können Sportarten wie Yoga oder Pilates lindernd wirken. Zudem hat Sport meistens auch einen positiven Einfluss auf das seelische Befinden.

In jüngster Zeit konnte zudem in Studien gezeigt werden, dass Sport nicht nur die Lebensqualität verbessert, sondern auch einen günstigen Einfluss auf die Prognose gewisser Brustkrebsarten hat.

Was heisst «ausreichende körperliche Aktivität», welche Sportarten sind empfohlen? 

Erfahrungswerte zeigen, dass ca 150 Minuten eines mittelintensiven Ausdauertrainings und zwei Einheiten Kraft- und Koordinationstraining pro Woche ideal sind. Es erscheint mir jedoch wichtiger sich überhaupt zu bewegen und Spass dabei zu haben, als formale Vorgaben zu erfüllen. 

Was bietet das Brustzentrum? 

Zusammen mit dem Institut für Physiotherapie, der Sportkardiologie und der medizinischen Onkologie bieten wir die Onko Reha an. Dies ist ein Sport Rehabilitationsprogramm, das nach Abschluss der Behandlung durchgeführt wird. Unter anderem umfasst es Ausdauer- und Krafttraining sowie Gymnastik zur Förderung von Koordination und Beweglichkeit. Ergänzt wird das Bewegungsprogramm mit Ernährungsberatung, Stressmanagement, bei Bedarf Rauchstopp und Schmerztherapie.

Weiter haben Patientinnen zum Beispiel die Möglichkeit an der Caprice Studie teilzunehmen. Die Studie untersucht, ob eine begleitete Bewegungstherapie bereits während der Chemotherapie die Nebenwirkungen auf das Herz reduzieren kann.

Wie schwer fällt es den Patientinnen sich für körperliche Aktivitäten zu motivieren? 

Selbstverständlich ist es sehr schwierig sich zum Beispiel während der Chemotherapie zu Bewegung zu motivieren, aber ein kurzer Spaziergang geht fast immer. Für Patientinnen, die vor der Erkrankung nicht regelmässig Sport getrieben haben ist das Onko Reha Programm nach Abschluss der Therapie ideal. 

Grundsätzlich ist es vor allem wichtig, dass die Patientin die Sportart findet (oder wieder aufnimmt), die sie gut in ihren Alltag integrieren kann, die Spass macht und die ihr guttut.

Frau Hischier, welche Rolle spielt die Ernährung bei einer Brustkrebserkrankung?

Eine sehr wichtige. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung versorgt den Körper mit Energie, Eiweiss und wichtigen Nährstoffen. So wird der Körper gestärkt, um Krankheit, Therapie und Nebenwirkungen durchzustehen. Gleichzeitig leiden aber sehr viele Patientinnen an Appetitlosigkeit, Geschmacksveränderungen und Übelkeit. Das wiederum kann zu Gewichtsverlust und Mangelernährung führen. 

Wie können Sie als Ernährungsberaterin die Patientinnen unterstützen?

Wir vermitteln gezielt Ernährungsinformationen und geben basierend auf der medizinischen Situation und dem Ernährungszustand der Patientin Empfehlungen ab. Gemeinsam mit der Patientin bestimmen wir die individuellen Bedürfnisse und erarbeiten mit ihr, manchmal auch zusammen mit ihren Angehörigen, persönliche Lösungen für die Umsetzung zu Hause. 

Weitere Informationen zur Ernährungsberatung an der Frauenklinik