Sexuelle Gewalt gegen Frauen


Haben Sie sexuelle Gewalt erlebt? Wurden Sie vergewaltigt? Haben Sie Angst, jetzt schwanger zu sein oder sich mit dem HI-Virus oder einer Krankheit angesteckt zu haben? Sind Sie verletzt?

Im Kanton Bern erhalten betroffene Frauen und Mädchen ab 14 Jahren im Rahmen des «Berner Modells» rund um die Uhr Hilfe und medizinische Betreuung durch eine Ärztin der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Inselspital Bern. Allfällige Spuren können dabei vom Institut für Rechtsmedizin gesichert werden, unabhängig von einer polizeilichen Anzeige. Männer sowie Kinder unter 14 Jahren finden HIER Hilfe.

Auch wenn Sie noch nicht wissen, ob Sie eine Anzeige erstatten wollen, sollten Sie sich möglichst rasch, am besten innerhalb von 72 Stunden nach der Tat, melden, damit wir notwendige Behandlungen (in Bezug auf Schwangerschaft und sexuell übertragbare Infektionen) rechtzeitig einleiten können. Auch können in diesem Zeitraum allfällig vorhandene Spuren des Täters noch gesichert werden.

Manchmal kommt es vor, dass die Frau keine Erinnerung an die Tat hat (zum Beispiel nach Einnahme sogenannter K.O.-Tropfen. Auch dann kann es sinnvoll sein, sich bei uns zu melden!

Was tun nach sexueller Gewalt, Vergewaltigung oder möglichen Vergewaltigung?

Sie sollten zwischen dem Vorfall und der Untersuchung nicht duschen oder baden und die Hände nicht waschen, auch wenn dies schwer fällt. Wechseln Sie auch möglichst die Kleidung nicht oder heben Sie die getragenen Kleider auf, ohne sie zu waschen. Auch Slipeinlagen sollten Sie aufheben. Wenn es Ihnen möglich ist, gehen Sie vor der Untersuchung auch nicht auf die Toilette. So können Spuren des Täters am besten festgestellt werden.

Wie geht es dann weiter?

Sie werden – sofern Sie dies möchten – von einer Ärztin befragt und untersucht. Wir untersuchen Sie auf sexuell übertragbare Krankheiten sowie Verletzungen, und falls dies notwendig ist, geben wir Ihnen Medikamente, die Sie vor einer Infektionsübertragung, zum Beispiel von HIV/Aids schützen können. Sie können eine Notfallverhütung («Pille danach») bekommen.

Unsere Ärztin vermittelt Ihnen medizinische und auch rechtliche Informationen und Hilfe bei der Verarbeitung der Gewalttat. Sie gibt Ihnen Adressen der Fachstellen für Opferhilfe an und bespricht alle notwendigen Schritte sowie das weitere Vorgehen mit Ihnen. Sie hält sich an die ärztliche Schweigepflicht.

Muss ich Anzeige erstatten?

Sie können sich ohne Anzeige bei der Polizei bei uns melden. Eine Untersuchung ist unabhängig von einer Anzeige, auch wenn die Rechtsmedizin zur Spurensicherung beigezogen wird. Falls Sie die Polizei informieren, kommt es automatisch zu einer Anzeige («Offizialdelikt»). Bei der Polizei werden Sie in jedem Fall von einer weiblichen Beamtin befragt.

An wen kann ich mich bei häuslicher Gewalt oder Gewalt in der Familie wenden?

Wenn Sie von häuslicher oder familiärer Gewalt betroffen sind, steht Ihnen der Citynotfall Bern täglich von 7.00-22.00 Uhr zur Verfügung.