Fenster-Kaiserschnitt: Positives Geburtserlebnis trotz Kaiserschnitt

Dienstag, 15. Januar 2019, 10:23 Uhr

Neu können Paare an der Frauenklinik des Inselspitals auf Wunsch beim Kaiserschnitt zusehen – und so die Geburt des Kindes direkt miterleben.

Bei rund einem Drittel aller Schwangeren ist aus medizinischen Gründen ein Kaiserschnitt zur Geburt ihres Kindes notwendig. Dabei nehmen die werdenden Eltern an den ersten Momenten, die ihr Baby auf der Welt ist, nur von Ferne teil, weil ein steriles Tuch das Operationsgeschehen von ihnen abschirmt. Deshalb erleben Frauen den Kaiserschnitt meist als Operation (um die es sich ja auch handelt) und nicht als Geburt ihres Kindes.

Geburtserlebnis trotz Kaiserschnitt

Hier geht die Frauenklinik des Inselspitals nun neue Wege: Die Frau und ihr Partner können auf Wunsch zusehen, wie ihr Kind mit einem Kaiserschnitt auf die Welt kommt. Dank einem Sichtfenster in der sterilen Abdeckung kann die Frau auch bei einem Kaiserschnitt den Moment, in dem ihr Baby geboren wird, miterleben. Die Eltern sehen, wie es seinen ersten Atemzug macht und zu schreien beginnt, und trotzdem ist die volle Sicherheit gewährleistet. Sarah Schweizer hat diese Art des Kaiserschnitts Anfang Dezember 2017 als erste Frau an der Frauenklinik erlebt. Eine natürliche Geburt kam wegen einer vorausgegangenen Operation an der Gebärmutter nicht infrage. Oberärztin Dr. Patricia Christoph erfüllte dem Paar gemeinsam mit dem Anästhesie- und OP-Team den Wunsch: Sarah Schweizer und ihr Partner wollten den geplanten Kaiserschnitt ihres zweiten Kindes unmittelbarer und intensiver erleben als den Kaiserschnitt beim ersten Kind.

Frauenklinik fördert Bonding nach Kaiserschnitt

Prof. Dr. med. Daniel Surbek, Chefarzt Geburtshilfe an der Frauenklinik, unterstreicht die Bedeutung einer engen Eltern-Kind-Beziehung vom ersten Moment an: «Wir fördern schon seit Jahren ein unmittelbares sanftes Bonding während des Kaiserschnitts: Das Kind wird noch während der Operation der Mutter auf die Brust gelegt, damit sie mit ihm sofort den wichtigen engen Körperkontakt hat. Nun bieten wir an, dass die werdende Mutter auch den Moment der Geburt direkt erleben kann und nicht wie sonst durch ein grünes Tuch von ihrem Baby getrennt ist. Damit ist ein intensiveres und der natürlichen Geburt ähnlicheres Erleben und Bonding trotz der Operation möglich.»

Keine «Kaisergeburt»

Die neue Methode an der Frauenklinik des Inselspitals ist nicht mit der medial diskutierten «Kaisergeburt» gleichzusetzen, welche in einzelnen Kliniken in Deutschland praktiziert wird. Denn diese möchte mit verschiedenen Methoden den Geburtsakt durch die Bauchdecke imitieren und die Tatsache einer operativen Entbindung verschleiern, wie schon der Name suggeriert. Zudem werden dabei Grundsätze des sterilen Eingriffs verletzt und die Frau damit möglicherweise gefährdet. Dies ist bei der neuen Methode an der Berner Frauenklinik nicht der Fall.

Natürliche Geburt ist die beste Geburt

«Ein Kaiserschnitt ist trotz unserer neuen Methode immer nur der zweitbeste Weg, ein Kind zu bekommen», sagt Daniel Surbek. «Er sollte wie jede Operation nur durchgeführt werden, wenn es notwendig ist.»