Welttag gynäkologische Onkologie

Gemeinsam gegen Unterleibskrebs. Der 20. September 2019 wurde erstmals als »Welttag der gynäkologischen Onkologie« begangen. Nun jährt sich der Tag unter dem Motto "GO for Awareness, Action, Hope, Life" zum ersten Mal.

Mit der Etablierung eines »Welttages der gynäkologischen Onkologie« soll das das Thema Unterleibskrebs mehr nationale und internationale Aufmerksamkeit erhalten. Der Tag wurde unter anderem durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Europäische Parlament, die Europäische Gesellschaft für gynäkologische Onkologie (ESGO) und dem Europäischen Netzwerk für gynäkologische Selbsthilfegruppen (ENGAGe) unterstützt.

Die Frauenklinik beteiligt sich am Welttag mit Öffentlichkeitsarbeit im Web und auf Social Media. Im Interview mit PD. Dr.  med. Sara Imboden, leitende Ärztin Gynäkologie an der Frauenklinik des Inselspitals, erfahren Sie, was bei der Vorsorge wichtig ist, welche Fortschritte die Forschung erzielt hat und vieles mehr.


Was genau ist gynäkologischer Krebs, von welchen Krankheitsbildern sprechen wir hier?

S. Imboden: Von gynäkologischem Krebs spricht man bei bösartigen Neubildungen von den weiblichen Geschlechtsorganen. Also beispielsweise Zellen der Schamlippen, der Scheide, der Gebärmutter oder des Gebärmutterhalses, der Eileiter oder der Eierstöcke. Jede Krebsform in diesem Bereich verhaltet sich unterschiedlich.

Wie verbreitet sind denn gynäkologische Krebserkrankungen?

S. Imboden: Pro Jahr erkranken etwa 900 Frauen in der Schweiz an Gebärmutterschleimhautkrebs, rund 600 an Eierstockkrebs und etwa 250 an Gebärmutterhalskrebs. Die anderen Arten von gynäkologischem Krebs wie Schamlippen- und Scheidenkrebs sowie Mutterkuchenkrebs sind seltener. Etwa 750 Frauen sterben jährlich an gynäkologischem Krebs.

Wie kann man die Zahlen einordnen, wie "schlimm" ist gynäkologischer Krebs? Gilt gynäkologischer Krebs als heilbar?

S. Imboden: Die Krebsart ist bei Frauen recht häufig. Nur an Brustkrebs erkranken noch mehr Frauen. Häufig ist der Krebs im Unterleib heilbar, natürlich ist es extrem wichtig, dass die Tumore im Frühstadium erkannt werden. Das ist das Problem bei Eierstockkrebs; hier ist das Überleben schlechter, vor allem weil es häufig erst spät erkannt wird..

Wie ist das für Sie als Ärztin in diesem Bereich zu arbeiten, wo es viele schwierige Schicksale gibt?

S. Imboden: Zum Glück können wir diese Schicksale häufig positiv beeinflussen, das ist die ganz grosse Motivation. Für mich gibt es nichts schöneres als am Ende der Operation der Patientin berichten zu können, dass alles gut gegangen ist und dass das Best mögliche Ergebnis erzielt werden konnte. Schwierig ist es, wenn wir nichts mehr bieten können. Hier liegt dann die Motivation darin, besser zu werden, an neuen Erkenntnissen zu forschen und hoffentlich in Zukunft mehr bieten zu können. Jedoch auch die Betreuung in hoffnungslosen Situationen kann dankbar sein, hier brauchen uns die Patientinnen noch mehr. Daher bin ich froh, dass wir auch diese Phase der palliativen Betreuung bei uns in der Frauenklinik anbieten können, denn dies gehört zu Individuellen Betreuung dazu.

Wie kann man sich denn als Laie vor gynäkologischem Krebs schützen?

S. Imboden: Dies ist für die verschiedenen Tumore sehr unterschiedlich: Eine regelmässige Jahreskontrolle ist sehr wichtig. Dort kann sich die Gynäkologin die Haut der Vulva und Vagina, also dem äusseren Bereich der Geschlechtsorgane und die Scheide anschauen und Auffälligkeiten sehen. Der PAP-Abstrich ist für die Vorsorge des Gebärmutterhalskrebses. Diese Bereiche sind ohne zusätzliche Untersuchungen gut erkennbar und beurteilbar. Bei diesen Krebsarten haben wir also relativ gute Instrumente, um eine Erkrankung ganz früh zu erkennen und dann schnell zu handeln.


Wo ist das mit der Vorsorge schwieriger und warum?

S. Imboden: Bei Gebärmutterkrebs haben wir das grosse Glück, dass diese Frauen meist eine Blutung nach der Menopause haben. Daher werden auch diese Krebsformen oft früh erkannt und wir können sie mit minimal invasiven Therapien heilen. Bei einer vaginalen Blutung nach der Menopause muss immer ein Gebärmuttertumor aktiv ausgeschlossen werden.
Schwierig ist es bei Eierstockkrebs. Es macht sehr spät und wenige Symptome und wird daher oft spät diagnostiziert. Auch grosse Studien mit jährlichen Ultraschallkontrolle mit Beurteilung des Eierstocks ergaben kein besseres Überleben bei diesen Tumoren.

Man hört auch immer wieder, dass der PAP-Abstrich nicht wirklich viel nützt oder zumindest umstritten ist. Was hat es damit auf sich?

S. Imboden: Der Gebärmutterkrebs entwickelt sich langsam, ausgelöst durch den HP Virus. Daher haben wir die Chance Veränderungen zu erkennen, bevor es sich um Krebs habdelt und diese auch zu Behandeln. Frühe Veränderungen müssen häufig nur gut kontrolliert werden und nicht behandelt. Dies führt zu Ängsten und vermehrten Konsultationen und Kosten.
Heute wird empfehlen, die Jahreskontrolle ohne Risikofaktoren alle 3 Jahre durchzuführen und nur bei Patientinnen mit Veränderungen eine engmaschige Kontrolle zu empfehlen. Die HPV Impfung vor dem ersten sexuellen Kontakt kann die meisten Formen von Gebärmutterkrebs verhindern.

Wo hat die Forschung rund um gynäkologischen Krebs Fortschritte gemacht im letzten Jahrzehnt?

S. Imboden: Die Operationstechniken wurden immer weniger invasiv und die Rolle des Wächterlymphknotens, wo auch wir intensiv Forschung betreiben, hat die Operationen weniger belastend für die Patientinnen gemacht. Wir können Anhand der genaueren Unterteilung den Tumor auch gezielter Behandeln. Dadurch ist insgesamt die Behandlung Individueller und gezielter geworden. Auch die Bestrahlungen sind viel geziehtlter und dadurch Nebenwirkungsärmer geworden. Die Interdisziplinäre Betreuung hat sich stark verbessert, so steht die Patientin im Zentrum und die Spezialisten sammeln sich um Sie und zusammen wird die Beste Lösung gesucht.

Zu Guter letzte noch eine Hand aufs Herz: gehen Sie selber regelmässig zur Jahreskontrolle?

S. Imboden: Natürlich!!! Ich muss ja nicht weit gehen...